Das EUROCODE - Programm
Die Anfänge
Die Eurocodes sind eine Gruppe von europäischen Normen für das Bauwesen deren Erstellung von der Kommission der Europäischen Gemeinschaft Mitte der 1970er-Jahre in Angriff genommen wurde.
Artikel 100 der Römischen Verträge von 1957 und die "Einheitliche Europäische Akte (EEA)" von 1987 verpflichtet die Mitgliedsstaaten Maßnahmen zur Verwirklichung eines europäischen Binnenmarktes zu treffen. Ziel waren die Beseitigung technischer Handelshindernisse, die sich aus den national unterschiedlichen Vorgaben und Usancen im Baubereich ergaben, und die Harmonisierung technischer Ausschreibungen.
Im Laufe von fünfzehn Jahren leitete die Kommission der EU mit Hilfe eines aus Vertretern der Mitgliedstaaten zusammengesetzten Lenkungskomitees die Entwicklung der EUROCODES.
Die erste Generation
1990 beschlossen die Kommission der EU, die Mitgliedstaaten der EU und EFTA auf der Grundlage einer Übereinkunft zwischen der Kommission der EU und der europäischen Normungsorganisation (CEN), die Ausarbeitung und Veröffentlichung der EUROCODES CEN in Form von Mandaten zu übertragen, um ihnen künftig den Status europäischer Normen zu geben.
Dies verknüpft die Eurocodes mit den Vorgaben aller Direktiven des Rates und/oder Kommissionsentscheidungen, die sich mit den europäischen Normen befassen.
Für die Erstellung der EUROCODES wurde das technische Komitee CEN/TC 250 „Structural Eurocodes“ gegründet, dessen Sekretariat das britische Normungsinstitut (BSI) inne hat. Für jeden der zehn Teilbereiche wurde ein eigenes Subkomitee eingerichtet (z.B. CEN/TC 250/SC 2 „Betonbau“).
Die erste Generation der EUROCODES wurde ab Mitte der 1990er-Jahre in 62 Teilen als europäische Vornorm (ENV), in Österreich als ÖNORM ENV, veröffentlicht um Erfahrungen mit den zum Teil grundlegend neuen Inhalten zu sammeln.
Diese ENV waren zur Anwendung empfohlen.
Von der Vornorm (ENV) zur Norm (EN)
Aufbauend auf den praktischen Erfahrungen die mit den ENV gemacht wurden, wurde Ende der 1990er-Jahre, wieder im CEN/TC 250, mit der Umwandlung, d.h. Überarbeitung, der EUROCODES begonnen. Das Ergebnis dieser Arbeiten sind EUROCODES die als europäische Normen (EN), in Österreich als ÖNORM EN, veröffentlicht werden.
Die ersten Teile sind 2003 erschienen. Bis 2006 sollen alle 58 Teile vorliegen.
Diese EN sind verbindlich anzuwenden.
Nach der Übernahme aller EUROCODES in das nationale Normenwerk beginnt eine mehrjährige Übergangsfrist. In diesem Zeitraum können nationale Normen weiter bestehen, auch wenn ihr Inhalt jenem der EUROCODES widerspricht. Spätestens mit Ablauf der Übergansfrist müssen widersprüchliche nationale Normen überarbeitet oder außer Kraft gesetzt worden sein bzw. neue Normen zur Einführung der EUROCODES in Österreich fertig gestellt sein.
Fahrplan zur Einführung der EUROCODES (pdf; 150 KB)
Status und Gültigkeit der EUROCODES
Einführung der EUROCODES in Österreich
Als Richtlinie für die Einführung der EUROCODES wurde von der Gruppe der „EUROCODE National Correspondents (ENC)“ das „Guidance Paper L“ erarbeitet. Die ENC Gruppe wurde von der Europäischen Kommission eingerichtet und setzt sich aus nationalen Behördenvertretern zusammen.
Bedeutung der EUROCODES – Normen und Recht
Österreich ist als Mitglied der europäischen Normungsorganisation CEN verpflichtet, europäische Normen (EN) in das nationale Regelwerk zu übernehmen. Europäische Normen dienen auch der Umsetzung von Richtlinien der Europäischen Kommission. Diese Richtlinien müssen durch entsprechende gesetzliche Regelungen in nationales Recht umgewandelt werden.
Das bedeutet, dass mit Hilfe von technischen Normen Gesetze im Detail spezifiziert werden.
Technische Änderungen durch die EUROCODES
Die wesentlichste Änderung betrifft die Einführung des semi-probabilistischen Sicherheitskonzeptes.